
Kirchengasse, neben Sparkasse
Dieser römische Grabstein ist das einzige antike Schriftzeugnis in Bad Ischl. Er stammt aus dem frühen 3. Jahrhundert nach Christus. Ischl war damals in der Provinz Noricum ein Teil des Römischen Imperiums. Die Porträtreliefs des Ehepaares erscheinen im Giebelmedaillon oberhalb der Inschrift. Wenn du genau hinsiehst, kannst du den römischen Soldatenmantel (sagum) bei Maternus erkennen und bei seiner Frau eine Haube und einen Umhang. Die norische Mütze gehörte zur Landestracht. Die beiden Figuren unterhalb sind eine Dienerin und ein Diener und tragen einen Krug und einen Becher. Vielleicht ist es auch so, dass die linke Figur eine gesenkte Fackel hält (als Zeichen, dass die Frau gestorben ist) und die rechte eine erhobene Fackel als Symbol für den Mann, der ja noch lebte, als er den Stein machen ließ. Romana Argentonia hat ein hohes Alter erreicht, wenn du bedenkst, dass die Lebenserwartung damals nicht besonders hoch war. Bemerkenswert ist auch, dass der Mann keinen Familiennamen, sondern den Namen seines Vaters anführt. Das bedeutet, dass er ein Einheimischer ohne römisches Bürgerrecht war. Seine Frau hingegen war römische Bürgerin. Quelle: "Abenteuer Latein. Archäologie. Römisches Erbe in Oberösterreich" Peter Glatz, Andreas Thiel, Stefan Traxler. Linz 2023
Warum ist der Grabstein eigentlich nicht am Friedhof? Tja, Romanus und seine Frau waren Heiden, wie du am Text „Götter der Unterwelt“ erkennen kannst.
lateinische Inschrift:
D(IS) M(ANIBUS) ROMANVS
MATERNI F(ILIVS) VI(V)VS SI(BI)
ET ROM(A)NAE
ARGENTONIAE
CON(IVGI)
O(BITAE) AN(NORUM)
LXXX
B(ENE) M(ERENTI)
Übersetzung:
Den Göttern der Unterwelt (erbaute diesen Grabstein) Romanus,
ein Sohn des Maternus, zu Lebzeiten für sich
und seine Frau Romana Argentonia,
die im Alter von 80 Jahren verstorben ist.
Sie hat verdient, dass man sich an sie erinnert.
Mehr lesen