Hl.-Kreuz-Kapelle

Hl.-Kreuz-Kapelle

Am Traunkai, bei Nr. 9a, direkt an der am Traunufer verlaufenden Straße


Ort

Die „Hl.-Kreuz-Kapelle“ bildet ein barockes Gesamtkunstwerk von besonderem Rang.

Nach derzeitigem Wissensstand wurden die Statuen samt einem ersten Kapellenbau 1726 gestiftet, und zwar von Johann Michael Creuzhuber – Verwesamtsgegenschreiber und Besitzer des  Hauses Grazerstraße 8, auf dessen Grund die Kapelle erbaut wurde – und Michael Tobias Creuzberger – Wirt am Gasthof „Schwarzer Adler“ Grazerstraße 10 („Grundstein“ mit Jahreszahl und den Initialien der beiden rechts an der Wand). Grund für die Stiftung war vielleicht ein Schiffsunglück im Jahr davor, ein Votivbild mit einer solchen Darstellung und der Jahreszahl 1725 hängt seit jeher in der Kapelle (Kopie). Um 1785 – vielleicht nach den Hochwässern von 1786/87 – wurde dann die jetzt bestehende Kapelle mitsamt ihrer Freskenausstattung erbaut. Hingegen scheint der auf Bretter gemalte Hintergrund der Kreuzigungsgruppe – 1983 durch Kopien ersetzt und erst 2014 in die Kapelle zurückgekehrt – sogar älter zu sein als die Statuen und stammt wohl aus der ersten, 1704 geweihten und 1714 und 1779 vergrößerten Ischler Kalvarienbergkirche. Die barocken Fresken wurden um 1845 übermalt und erst wieder 2007/08 freigelegt. Bis um 1890 hatte die Kapelle an der Straßenseite zwei Säulen, die damals einer Straßenverbreiterung zum Opfer fielen. 1890 wurde an der Rückseite ein seither mehrfach vergrößertes Gebäude angebaut. Nach Beschädigung durch das Hochwasser 1920 wurde die Kapelle restauriert (Tafel, datiert 1921/1929, an der Wand rechts, Vater und Sohn Rothauer waren Besitzer der Kapelle und Theodor war als Handwerker auch an der Restaurierung beteiligt), weiters 1953, 1983 und besonders umfassend 2007/08, alles unter Federführung und Aufbrinung der erforderlichen Geldmittel durch den „Ischler Heimatverein“. Den krönenden Abschluss bildete die Wiederanbringung der frisch restaurierten Hintergrundbretter im Herbst 2014.

Ein zur Hälfte offener Rundbau mit Flachkuppel, bekrönt von einem auffälligen Strahlenkreuz mit IHS-Monogramm, bildet die Hülle einer ungefähr lebensgroßen holzgeschnitzten und vollständig gefassten Kreuzigungsgruppe eines unbekannten Meisters, die von einem Engelreigen umgeben ist: 7 aus Brettern ausgeschnittene Putti halten Spruchbänder mit den „7 letzten Worten Jesu am Kreuz“. Den Hintergrund der Gruppe bildet das vermutlich von einem sonst kaum bekannten Maler Paul Preißl auf Bretter gemalte Großgemälde „Gang Christi nach Golgatha“ (Anfang 18. Jh.). Von dieser qualitativ herausragenden Malerei sind einige Partien aufgrund der harten und verbräunten Firnisschichten leider schlecht lesbar, doch es lohnt sich, die Details zu studieren. Zu beiden Seiten des Gemäldes je zwei in Freskotechnik gemalte Medaillons mit Szenen des Alten Testaments, die nach der christlichen Tradition auf das Leiden Christi vorausweisen: links oben „Die Rückkehr der Kundschafter aus dem Gelobten Land“, links unten „Die Aufrichtung der Ehernen Schlange“ (der Kopf Mose wurde später ausradiert), rechts oben „Samson bringt den Tempel zum Einsturz“ und rechts unten (vermutlich, weil stark beschädigt) „David und Goliath“. Im Kuppelscheitel eine „Hl.-Geist-Taube“ (2008). Vor der Kreuzigungsgruppe ein barockes schmiedeeisernes Gitter, angeblich aus dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg stammend, links ein steinerner Weihbrunnkessel aus der Villa Kielmannsegg in Ischl (Schutzenbichl 4).